Forschungsdaten

Der Aufwand für das Gewinnen von Daten als Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnis – beispielsweise in der Soziologie, Medizin, Fernerkundung oder Hochenergiephysik – liegt allein in Deutschland in der Größenordnung von mehreren Milliarden Euro pro Jahr.

Es ist unbestreitbar, dass viele dieser Daten nach einer relativ kurzen Phase der Auswertung durch Einzelne oder kleine Gruppen dem Vergessen oder gar dem Verfall ausgesetzt sind. Hier sehen alle Wissenschaftseinrichtungen einen dringenden Handlungsbedarf hinsichtlich der systematischen Sicherung, Archivierung und Bereitstellung dieser Daten für die Nachnutzung durch Dritte.

Hervorzuheben ist, dass die Entwicklung im Bereich der Forschungsdaten in den verschiedenen Fachdisziplinen unterschiedlich weit vorangeschritten und unterschiedlich dringlich ist. Dies gilt es zu berücksichtigen, wenn es darum geht, die in dem Handlungsfeld beschriebenen Maßnahmen auf die einzelnen Fachdisziplinen anzuwenden.

Ziel ist es, für alle geeigneten Fachdisziplinen, für die noch keine Infrastruktur für Forschungsdaten besteht, Strukturen aufzubauen, die es ermöglichen, Forschungsdaten zu sammeln, zu archivieren und für eine Weiternutzung bereitzustellen – sei es, um wissenschaftliche Ergebnisse im Sinne einer guten wissenschaftlichen Praxis überprüfbar zu machen, sei es für eine Nachnutzung im Kontext anderer Forschungsfragen. Das zentrale Element dieses Prozesses, die Conditio sine qua non für den Erfolg, ist die enge Kooperation zwischen Fachwissenschaftlern und Informationsdienstleistern.

 

Die Aktivitäten der Allianz-Initiative sind auf drei Bereiche gerichtet:

Erstens geht es darum, eine gemeinsame Forschungsdaten-Policy zu entwickeln und zu veröffentlichen, um bei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern das Bewusstsein für den Handlungsbedarf und für den Nutzen von Forschungsdaten-Infrastrukturen zu schärfen.

Zweitens zielen die Aktivitäten darauf ab, die Entstehung solcher Strukturen zu stimulieren, das heißt, die Zusammenarbeit zwischen Fachwissenschaftlern und Informationswissenschaftlern anzustoßen und zu begleiten sowie Förderangebote für Modellprojekte anzubieten. Modellprojekte entwickeln fachspezifische Standards und Techniken und definieren den arbeitsteiligen Prozess, um zuverlässige und gut zugängliche Archive für Forschungsdaten aufzubauen und diese mit international und interdisziplinär interoperablen Zugangsschnittstellen zu versehen.

Drittes Ziel in diesem Aktionsfeld ist es, an den Bedürfnissen der einzelnen Disziplinen orientierte und international vernetzte Repositorien- und Archivstrukturen für Forschungsdaten aufzubauen. Diese Aufgabe kann und soll jedoch erst dann angegangen werden, wenn ausreichend Erfahrungen aus der Förderung und Evaluation der Modellprojekte vorliegen, um sichergehen zu können, dass neue Strukturen den Bedarf der einzelnen Fachdisziplinen aufgreifen und nicht an diesem vorbeigehen.

Die Allianz-Partnerorganisationen verständigen sich darauf, ihre Förderangebote im Bereich der Forschungsdaten zu koordinieren und gegebenenfalls aufeinander abzustimmen beziehungsweise miteinander zu verzahnen. Sie verständigen sich weiter darauf, zu gegebener Zeit den Aufbau gemeinsamer Infrastrukturen für Forschungsdaten zu prüfen.


 
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Grundsätze

Am 24. Juni 2010 verabschiedete die Allianz die Grundsätze zum Umgang mit Forschungsdaten.

PDF-Datei Grundsätze zum Umgang mit Forschungsdaten